Kampfrichter
Ein Bayer
kontrolliert die Eisen

Mit 72 der “Bank-Boss” bei den INVICTUS GAMES.

Für Helmuth Platzer war es eine Ehrensache, das Wettkampfgericht beim Bankdrücken der INVICTUS GAMES DÜSSELDORF 2023 presented by Boeing zu leiten. Seine Leidenschaft für den im wahrsten Sinne schweren Sport hat ihn zum Globetrotter gemacht.

Langsam, ganz langsam streckt Titilia Fisher die Arme durch. Die Hantel mit den knallroten Gewichtsscheiben bewegt sich im Zeitlupentempo nach oben, dann ist es vollbracht. 82 Kilo hat die Engländerin zur Hochstrecke gebracht, setzt sich auf der Hantelbank auf, ballt die Fäuste und wird vom Publikum vor der hell erleuchteten Bühne lautstark gefeiert. Silber in der Klasse IP3-IP5.

Einer, der ganz genau hinschaut bei den Wettkämpfen im Bankdrücken, sitzt etwas seitlich auf der Bühne. Helmuth Platzer ist einer der obersten Kampfrichter. Und ein besserer Experte für alles, was mit dem Stemmen von Gewichten zusammenhängt, ließe sich schwerlich finden. Die Jury sitzt an einem langen Tisch in der Nähe der Hantelbank. Fleißige Helfer in weißen T-Shirts haben ein paar Meter weiter den anspruchsvollen Job, schnell die Scheiben zu sortieren. Für jeden soll ja das passende Gewicht auf der Hantel aufliegen.

Platzer und Co. sind für den ordnungsgemäßen Ablauf der Wettbewerbe in den unterschiedlichen Schadens- und Gewichtsklassen verantwortlich, natürlich unterteilt nach Frauen und Männern. Einer der Unterschiede zu anderen Wettbewerben: Die Starter haben zwei und nicht nur eine Minute Zeit, um einen gültigen Versuch durchzuführen. Schließlich dauert hier bei den INVICTUS GAMES 23 presented by Boeing auch die Vorbereitung länger: Mancher Teilnehmer wird auf der Bank zur besseren Stabilisierung festgeschnallt, andere werden von ihrem Trainer zur Hantel geführt.

Alles andere ist Routine für Platzer. Der Ur-Bayer hat sich seit jeher dem Kraft-Dreikampf verschrieben. Also neben Bankdrücken noch die Disziplinen Kreuzheben und Kniebeuge. Er ist seit 1996 Kampfrichter mit der Bundeslizenz und nicht selten auch im internationalen Einsatz unterwegs. Zum Beispiel vor 5000 Zuschauern bei einem Wettbewerb in Argentinien oder auch mal bei der WM im Bankdrücken in Sun City, im Las Vegas von Südafrika wenn man so will.

Damit nicht genug: Platzer war auch bei den European Championships 2022 in München mit dabei. In seiner Heimat organisiert er zudem die Highland Games und ist als Vorsitzender des Kraftsport-Clubs Puch natürlich in allen Fragen rund ums Gewichtestemmen Ansprechpartner für die jüngeren Athleten. Und er spricht aus erfolgreicher Erfahrung. “Es gab eine Zeit, da war ich in Bayern im Steinheben im Mittelgewicht bis 95 Kilo nicht zu schlagen”, erinnert sich der fit und sportlich wirkende 72-Jährige und schmunzelt dabei.

Logisch, dass der Sport für den früheren Vize-Europameister immer noch eine wichtige Rolle spielt. Die Stimmung bei den Invictus Games hat es dem Kraft-Experten mächtig angetan. “Toll zu sehen, wie sich die Sportler über ihre Leistungen freuen. Und übrigens auch über die der Konkurrenten, das ist ein unglaubliches Miteinander”, findet der Kampfrichter-Chef.

Ehrensache, dass der frühere Industriemeister und Projektleiter dem Ruf, in Düsseldorf dabei zu sein, sehr gerne folgte. “Das ist wirklich eine ganz besondere Stimmung”, findet Platzer, “dieser Umgang miteinander, das ist wirklich berührend.”

Daheim muss Platzer wieder umgehend bei seinem Verein auf der Matte stehen, er leitet auch das Training der Jugendlichen, die nächste Tour als Kampfrichter ist schon fest geplant. Das Ziel heißt Budapest. Platzer ist bei der EM der Jugend und Junioren im Kraft-Dreikampf gefragt.

Fest eingeplant ist auch ein Trip Ende Januar nach Austin/Texas, auch da geht es natürlich um Bankdrücken. Womöglich folgt in naher Zukunft eine weitere Reise nach Übersee, wenn 2025 die nächsten Invictus Games in Kanada anstehen. Dafür würde Helmuth Platzer sicher einen Platz in seinem vollgepackten Kalender finden.

Autor: Oliver Bitter